
Unsere Bibliothek hat hochinteressanten Zuwachs bekommen: Das 1986 erschienene Buch „Feindfahrten – Das Logbuch eines U-Bootfunkers“ von Wolfgang Hirschfeld.
Dieses Werk unterscheidet sich grundlegend von vielen anderen Büchern über den Zweiten Weltkrieg. Es ist kein nachträglich geschönter Erlebnisbericht, sondern basiert auf den geheimen, zeitnahen Originalnotizen des Autors. Hirschfeld diente während des Krieges als Funkmaat auf den Booten U 109 (unter dem bekannten Kommandanten Bleichrodt) und später auf dem Fern-U-Boot U 234. Das Führen von Tagebüchern war an Bord strengstens verboten – Hirschfeld tat es dennoch und rettete seine Aufzeichnungen über die Gefangenschaft hinweg.
Was dieses Buch so besonders macht:
• Ungeschönte Realität: Hirschfeld verzichtet komplett auf heroische Verklärung. Er beschreibt den Alltag in der engen Stahlröhre so, wie er war: geprägt von Monotonie, Angst bei Wasserbombenangriffen, dem Verlust von Kameraden und den extremen psychischen Belastungen der Besatzung.
• Der Blickwinkel des Funkers: Als Nachrichtensoldat sass Hirschfeld an einer entscheidenden Schnittstelle. Er hörte die verschlüsselten Funksprüche des Befehlshabers der U-Boote (BdU), tippte die Morsezeichen und bekam das strategische Drama des Atlantikkrieges oft früher mit als der Rest der Mannschaft.
• Ein rares Zeitdokument: Die Kombination aus Hirschfelds scharfem Beobachtungsalltag und der Tatsache, dass die Notizen direkt während der Einsätze entstanden, macht das Buch zu einer der authentischsten Quellen über das Leben und Sterben in der deutschen U-Boot-Waffe.
Für jeden, der sich für maritime Geschichte, die menschlichen Schicksale des Seekrieges oder authentische Zeitzeugnisse interessiert, ist dieses Buch ein packendes und tief berührendes Dokument. Ein echter Gewinn für unsere Sammlung!